Bumm! – zur Debatte um ein „Böllerverbot“

Alle Jahre wieder haben wir sie mittlerweile, die Aufregerdebatte um das Thema „Böllerverbot“. Die ist so vorhersagbar wie die (Twitter)Diskussion ums Tanzverbot am Karfreitag, und sie wird genauso schief geführt. Was beides außerdem verbindet. Ich finde sowohl die Infragestellung des Tanzverbots an einem ganz bestimmten Tag wie die Infragestellung der Erlaubnis zum Zünden von Feuerwerkskörpern an einem ganz bestimmten Tag im Jahr völlig berechtigt.

Also, ganz zuerst einmal: Es gibt ein grundsätzliches Böllerverbot. Wenn also darüber diskutiert wird, das Zünden von Böllern oder Feuerwerk allgemein durch Privatpersonen zu Silvester zu untersagen, ist eigentlich gemeint: Abschaffung einer Ausnahmeregelung. Das gibt dem Ganzen schon eine etwas andere Rahmung, finde ich. Denn es geht hier keineswegs darum, ausgerechnet zu Silvester eine liebgewordene Freizeitaktivität zu untersagen, die sonst jederzeit und überall unbeschadet von jedermann ausgeübt werden kein. Keineswegs: Selbst das Feuerwerk zum Schulfest, zur Hochzeitsfeier oder zu Mittsommer braucht eine ausdrückliche Genehmigung. Dass es zu Silvester eine Ausnahme gibt, hat was mit Tradition zu tun. Nun wird heute vermutlich nur ein äußerst geringer Teil jener, die zum Jahreswechsel pyrotechnische Gegenstände in erlaubtem Rahmen abbrennen, dies tun, um, ganz traditionell, böse Geister zu vertreiben, oder dem Ganzen eine andere, eher spirituelle oder religiöse Bedeutung zumessen. Da dürfte die Anzahl derer, für die der Karfreitag ein wichtiger Feiertag ist, an dem sich in Trauer und Demut zu üben ist, größer sein. Schiefer Vergleich? mag sein, aber wenn ich Traditionen infrage stellen kann, kann ich auch die Böllerei zu Silvester infrage stellen, genauso berechtigt.

Böllern ist übelst gefährlich. Zum einen für die, die die Dinger zünden. Je höher die Sprengkraft, desto gefährlicher. Eigentlich müsste jeder und jedem klar sein: ‚Explosion‘ ist die extrem schnelle Umwandlung von einem kompakten Feststoff in was Gasförmiges, das viel mehr Platz braucht und ruckartig und rasant versucht, diesen Platz einzunehmen. Also, laienhaft gesprochen. Bei diesem Akt sollte man besser nicht im Weg sein, keine Finger dazwischen haben, und auch bitte nicht ausprobieren, was passiert, wenn diese ruckartige Ausdehnung durch Sektflaschen kanalisiert und dann letztlich doch nur bedingt aufgehalten wird. Bumm. Diese Sprengversuche von Sektflaschen, Briefkästen etc. gefährden dann auch gern mal andere, genauso wie auf andere (oder deren Wohnungen) gerichtete Feuerwerksraketen. Wer es genauer wissen möchte, kann auch einfach mal Menschen fragen, die am 31.12. Rettungsdienst fahren, wie sich das anfühlt. Da werden dann auch noch weitere Personen gefährdet, nämlich die, zu denen der Rettungswagen eigentlich gerade unterwegs war.

Böllern ist ne Umweltsauerei. Feinstaub. Mehr muss man da nicht sagen. Und wer nicht auf Naturschutz steht, kann ja gucken, wie gut die eigene Hauskatze oder Nachbars Lumpi das Geknalle verträgt. Meine Ohren können euch gern egal sein, ist schon okay, aber es nervt, vorsichtig gesprochen. Der Müll, der nicht weggeräumt wird und munter vor sich hin rottet, auch. Aber da will man ja nicht kleinlich sein, immerhin ist es traditionell vermüllt auf den Straßen am Neujahrstag.

Was allerdings auch sehr schräg ist: Böllerverbotszonen einrichten, wo als Begründung nicht gerade ein Massenevent (so an der Straße des 17. Juni) oder Brandgefahr (so auf Sylt, wegen der Reetdachhäuser), sondern Probeläufe für ein allgemeines ‚Böllerverbot‘ (zum Begriff siehe oben) herhalten müssen, und jenes dann mit Absperrgittern, Taschenkontrollen und massiver Polizeipräsenz durchgesetzt werden soll. Wie wäre es, wenn jene, die so scharf darauf sind, Böllerverbote durchzusetzen, das einfach von heute bis zum Silvesterabend und dann ab dem Neujahrsmorgen wieder mit vollem Elan täten? Da könnte man bestimmt auch ganz gut üben. Ich wäre bestimmt nicht die einzige, die das schon mal einen tollen Zwischenschritt fände. Es gäbe aber weniger Absperrgitter, und es wäre vielleicht weniger publicityträchtig…

Was ich gern hätte: Ein tolles, friedliches, schön anzusehendes Feuerwerk, zu dem man sich im Ortsteil oder im Kiez trifft, und das von echten Profis geplant und durchgeführt wird. Ohne Schwaden von Schwarzpulverdampf und ohne Angst, den nächsten Böller abzubekommen. Ohne Wettkämpfe, wer mehr Geld in schnellster Zeit in Feinstaub verwandelt. Und ohne noch zwei Wochen lang abends Geknalle zu haben, weil doch noch irgendwer Vorräte angelegt hat und nicht gezündete Böller gefunden hat.