Studienreform durch BerlHG-Novelle nicht im luftleeren Raum - Bericht zum Stand und den Folgen der Bachelorreform jetzt!

Studienreform durch BerlHG-Novelle nicht im luftleeren Raum – Bericht zum Stand und den Folgen der Bachelorreform jetzt!

Auszug aus dem Plenarprotokoll 16/13

Vizepräsidentin Karin Seidel-Kalmutzki:

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung federführend an den Aus- schuss für Integration, Arbeit, Berufliche Bildung und Soziales sowie mitberatend an den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr. - Ich höre dazu keinen Widerspruch. Dann verfahren wir so.
Ich rufe nun auf
lfd. Nr. 4 c:
Antrag
Studienreform durch BerlHG-Novelle nicht im luftleeren Raum - Bericht zum Stand und den Folgen der Bachelorreform jetzt!
Antrag der Grünen Drs 16/0557
Für die Beratung steht den Fraktionen jeweils eine Redezeit von bis zu fünf Minuten zur Verfügung. Es beginnt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Das Wort hat Frau Schillhaneck. - Bitte schön!

Anja Schillhaneck (Grüne):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Woran denken Sie, wenn Sie irgendwo die Worte "Bologna-Reform", "Bachelor" oder "Master" lesen? Denken Sie dabei an modularisierte Studiengänge, bessere Betreuungsrelationen, eine bessere Organisation der Studiengänge, sodass die realen Studienzeiten sinken, oder vielleicht an die Idee, dass Wissenschaftlichkeit und Berufsorientierung sich als Studienziel nicht widersprechen müssen? Fällt Ihnen dazu vielleicht sogar der europäische Hochschulraum ein - das Ziel der besseren Internationalisierung und Mobilität unserer Studierenden? - Dann denken Sie vor allem an die Chancen, und es würde mich freuen, wenn Sie vor allem an diese Chancen einer qualitätsorientierten Studienstrukturreform denken.

Die Kritiker und Kritikerinnen der Reform haben vor allem immer die Gefahren betont. Sie sahen die Gefahr der Verschulung oder eine Gefahr der Niveauabsenkung, weil die Massen nur noch das Bachelor-Studium machen, aber nur noch die Wenigsten den Master. Sie sahen die Gefahr einer einseitigen Orientierung an Verwertungslogiken oder die ganz andere Gefahr, dass einfach alter Saft in neue Tüten gefüllt und auf alte Studiengänge das neue Etikett "Bachelor" oder "Master" geklebt wird.

Wer hat nun recht behalten? - Die Reform - das muss man deutlich sagen - war ein politisch verordnetes Ziel. Das kam nur sehr marginal von den Hochschulen selbst. Aber genau deshalb ist die Politik - wir als Landesparlament und Sie als Landesregierung - jetzt gefordert, sich damit auseinanderzusetzen, wie diese Umstellung auf den Bachelor gelaufen ist und welche Konsequenzen das für Studierende, Lehrende und die Hochschulen als Institutionen hat.

[Beifall bei den Grünen]

Bei dem, was seit Längerem zu hören ist, bleibt einem manchmal etwas die Spucke weg. Studierende, aber auch Lehrende beklagen sich darüber, dass sie mit teils völlig unsinnigen Prüfungsanforderungen überzogen werden. Die Betreuungsrelationen haben sich in einigen Bereichen verbessert. Der Preis dafür sind Pflichtseminare, wo die Plätze verlost werden. Einige von Ihnen werden sich daran erinnern, dass der ursprüngliche Ansatz für die Studienreform darin bestand, diese klassischen Krankheiten einer sogenannten Massenuniversität irgendwie in den Griff zu bekommen. Wir können nur feststellen, dass es dabei offensichtlich etwas hakt. Es gibt innerhalb der meisten Bachelor-Studiengänge keine Möglichkeiten, auf die faktische Normalität Teilzeitstudium sinnvoll einzugehen. Entweder ist man heute ausschließlich Student oder Studentin, oder man hat ein Problem - wenn man z. B. nebenbei arbeiten geht, Kinder hat oder sich - wie wir das doch immer fordern - gesellschaftlich engagiert. Dazu kann ich nur sagen: So geht das nicht. Das kann nicht wahr sein.

[Beifall bei den Grünen]

Vor allem Lehrende beklagen sich immer wieder darüber, dass zwischen Pflichtcurriculum und Anwesenheitskontrollen in vielen Studiengängen nur noch eine vage Ahnung von dem übrig ist, was eigentlich einmal als wissenschaftliches Studium gedacht war. Die Einführung von studienbegleitenden Prüfungen hat in einigen Studiengängen zu wahrnehmbaren Verbesserungen geführt, in anderen aber zu einer kaum begründbaren Vervielfachung von Prüfungslasten. Wenn Sie dann mal fragen, warum das so ist, bekommen Sie sehr schnell eine Antwort, und die heißt: Die Politik will das doch so von uns. - Da stellen wir die Frage: Wie ist denn dieser Eindruck entstanden? - Wir wollten das jedenfalls nicht im Rahmen der Bachelor- und Masterreform.

Wir beobachten schon seit einiger Zeit sehr kritisch, was an den Berliner Hochschulen in Bezug auf Bachelor und Master läuft. Wir sagen: Die Politik, die diese Reform wollte, ist jetzt auch gefordert, sich damit auseinanderzu- setzen und die Hochschulen nicht allein zu lassen. Denn das - mit Verlaub - haben Sie durchaus getan in letzter Zeit. Man kann doch nicht den Hochschulen den Brocken hinwerfen und sagen: "Nun macht mal! In euren Zielvereinbarungen steht drin, dass ihr Bachelor und Master einzuführen habt.", ohne sich dann um die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen auch nur einen Gedanken zu machen. Das kann nicht sein. Das funktioniert nicht.

[Beifall bei den Grünen]

Denn bis heute kennt das Berliner Hochschulgesetz keinen Bachelor-Studiengang. Zentrale Fragen wie die Definition von Teilstudiengängen des Teilzeitstudiums oder - ganz banal - die Definition dessen, was ein Modul ist, sind nicht geklärt. Alle Studenten sollten ja modularisierte Studiengänge machen, aber was sie da wirklich machen sollen, hat ihnen nie jemand gesagt. Das fehlt, oder es ist nicht anwendbar, weil es sich auf die alten Studiengänge bezieht.

Es geht auch unter den Bedingungen von autonomen Hochschulen und mit einem Vertragssystem längst nicht nur darum, wie man die Hochschulleitungen in das Gesetz schreibt und was man hinsichtlich der Gremien in der Hochschule festschreibt, sondern bei einem Hochschulgesetz geht es um das Setzen der angemessenen Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Hochschulen ihre ureigensten Aufgaben in Wissenschaft und Studium organisieren. Wir müssen die Rahmenbedingungen setzen. Das ist die ureigenste Aufgabe der Landespolitik, und das fordern wir mit unserem Antrag ein.

[Beifall bei den Grünen]

Vizepräsidentin Karin Seidel-Kalmutzki:

Frau Schillhaneck, Ihre Redezeit ist beendet!

Anja Schillhaneck (Grüne):

Ja! - Zum Schluss nur noch eine Bemerkung: Dass die Hochschulen das von uns auch so erwarten, sieht man z.B. an der Diskussion im Akademischen Senat der Humboldt-Universität in dieser Woche. Die haben klar die Verantwortung des Senats und der Landespolitik gerade bei der Umsetzung der Bachelorreform betont. Wir sagen: Lassen Sie die nicht länger allein im Regen stehen! Wir müssen uns damit auseinandersetzen. Und machen Sie endlich die Hochschulgesetz-Novelle, wo das abgeklärt werden kann und die Rahmenbedingungen drin stehen! - Danke!

[Beifall bei den Grünen]

Vizepräsidentin Karin Seidel-Kalmutzki:

Das Wort hat nun Frau Dr. Koch-Unterseher. - Bitte sehr!

part

Leave a Reply

Close
Close

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.

Close

Close