Olympiabewerbung: Selbst der DOSB verlangt ein solides Finanzierungskonzept

Olympiabewerbung: Selbst der DOSB verlangt ein solides Finanzierungskonzept

Olympiabewerbung: Selbst der DOSB verlangt ein solides Finanzierungskonzept

Insgesamt war die Anhörung aus grüner Sicht eine gelungene, auch wenn wieder dieselben Punkte gerade im Blick auf die immer noch ausstehenden Kalkulationen für Kosten einer etwaigen Bewerbung und Austragung ins Zentrum gerückt wurden. Zur Reform des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC) war einerseits festzustellen, dass quer durch alle Fraktionen Veränderungen wie die Aufnahme des Verbots der Diskriminierung auf Basis der sexuellen Orientierung in die Olympische Charta oder auch die konkreten "Empfehlungen" zu dopingfreiem Sport und zur Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens begrüßt wurden. Auffallend sind aber auch die Leerstellen der IOC-Reform.

Wie viel Spielraum gibt es für eine Stadt wie Berlin mit dem IOC zu verhandeln?

Auf einer Seite haben wir eine Stadt, die seit Jahren die Organisation von sämtlichen großen Sportereignissen meistert, und auf der anderen Seite haben wir den IOC als einziger Anbieter. Wenn Berlin die Olympischen und Paralympischen Spiele will, muss sie den IOC annehmen, sowie er ist, im Guten und im Schlechten. Deshalb ist für uns wichtig zu wissen, wie sehr der IOC bereit ist, von den bisherigen Praktiken abzuweichen. Empfehlungen, wie sie in Monaco beschlossen wurden, sind gut und richtig. Unklar ist aber an vielen Stellen, wie die Empfehlungen umgesetzt werden werden, da die Formulierungen oftmals sehr weit interpretierbar sind. Gerade Begriffe wie "nachhaltig" (sustainable) laden dazu ein, eher kosmetische Veränderungen vorzunehmen.

Im Beschluss des Abgeordnetenhauses aus dem November letzten Jahres steht deutlich, dass wir Verhandlungen auf Augenhöhe erwarten, sollte es zu einer erfolgreichen Bewerbung kommen. In der Reformagenda steht leider weiterhin, dass mögliche Vertragsteile wegen "third party interests" gegebenenfalls vertraulich gehalten werden könnten, und auch relevante Themen wie Demonstrationsrecht auch im Umfeld der Wettkampfstätten, Ausverkauf an globale Werbepartner und einiges mehr werden erst einmal nicht angefasst - sind aus unserer Sicht aber wichtig.

Solide Finanzübersicht vom Senat? ...

Laut dem DOSB werden die Bewerbungskosten definitiv gesenkt werden. Durch die Reduzierung der Anforderungen im Bewerbungsprozess werde man künftig deutlich unter die durchschnittlichen 70 Mio. € für eine Bewerbung kommen. Zum Hauptthema Finanzierung hat es uns Grüne erheblich erfreut zu hören, dass auch der DOSB eine solide Finanzübersicht spätestens zum geplanten Bürgerentscheid am 13. September vom Senat verlangt. Das sagen wir auch: Die Berliner*innen brauchen belastbare Zahlen, um grundsätzlich entscheiden zu können, ob sie die Olympischen und Paralympischen Spiele in ihrer Stadt haben wollen.

… Fehlanzeige!

Der Hauptausschuss hat Berichtsaufträge zu Olympia formuliert, um eben diese belastbaren Zahlen endlich zu bekommen. Die Koalition hat bei der letzten Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch alle Tagesordnungspunkte zu Olympia vertagt: Der Senat kann diese noch nicht beantworten...

Dabei ist es wichtig für eine sinnvolle Kostenkalkulation nicht nur die Durchführungskosten, sondern die gesamten Kosten zu beachten. Größter Dissens bei der Betrachtung der Finanzierungsfrage ist wahrscheinlich, welche Kosten in den Blick genommen werden. So verwiesen die Vertreter des DOSB darauf, dass die Durchführungskosten üblicherweise durch die Einnahmen wieder gedeckt würden. Und da ein Austragungsort - gerade bei einem Konzept wie im Interessenbekundungsverfahren von Berlin vorgelegt - jahrzehntelang von den zu tätigen Investitionen profitiere, müsste man diese anders betrachten. Hr. Niroomand verstärkte das Argument mit dem Hinweis, man solle doch nicht so tun, als läge irgendwo ein großer Haufen Geld rum, und wir würden jetzt diskutieren, ob das Geld entweder in Schulen oder in Olympia ginge. Nur mit Olympia bekäme man überhaupt erst bestimmte Gelder.

Auch wenn dies zunächst einmal richtig ist, erscheint das aus grüner Sicht ein wenig als Milchmädchenrechnung: Die Frage bezüglich der Berliner Sportstätten ist leider nicht, ob wir mit einer 50%-Beteiligung des Bundes sanieren, sondern offenbar erst einmal ob wir überhaupt sanieren. Haben wir die restlichen 50%? Nicht umsonst äußert sich mittlerweile selbst die Präsidentin des Landesrechnungshofes extrem kritisch zum Berliner Sanierungsstau, der wesentlich selbstgemacht ist durch unterlassene Unterhaltung und mangelnde Planung.

Solide Finanzierung vs. Olympisches Ideal?

Da fragt man sich nicht mehr lange, warum die Diskussion immer emotional wird, wenn es um die Frage der Finanzierung geht. Und auch warum der Senat aus der Frage nach der Finanzierung der Olympischen und Paralympischen Spiele eine Glaubensfrage macht: Ein anderes Argument hat der Senat nicht außer, dass Olympia "eine richtig tolle Sache ist". Natürlich geht es bei Olympia um Emotionen, um Vielfalt und um Zukunft, wie die Präsentation von Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, predigte. Aber hier, im Abgeordnetenhaus, müssen wir dafür sorgen, dass es kein schwarzes Loch für die Finanzen Berlins bringt, sondern mindestens eine schwarze Null.

Foto:  abdallahh@flickr (Ausschnitt)

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