Dr. oder nicht Dr., das ist hier die Frage! - Bericht aus dem Wissenschaftsausschuss vom 24. September 2014

Dr. oder nicht Dr., das ist hier die Frage! – Bericht aus dem Wissenschaftsausschuss vom 24. September 2014

Anlass für unseren Antrag "Bologna gilt auch in Berlin: Ein "kleiner Doktorgrad" ist kein Doktorgrad!" (Drs. 17/1516) ist die Tatsache, dass hierzulande neben Bayern nur noch Berlin die Sonderregelung hat, nach der der Titel "Dr." auch in den Fällen ohne fachlichen Zusatz und ohne Herkunftsangabe geführt werden darf, in denen die für den regulären Doktortitel erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Im restlichen Bundesgebiet ist dies in der Form nicht möglich, hier muss der Zusatz, der den qualitativen Unterschied kenntlich macht, zusammen mit dem "Dr." geführt werden. Den sog. "kleinen Doktorgrad" zum Beispiel gab bzw. gibt es in der Tschechoslowakei bzw. deren Nachfolgestaaten Tschechien und Slowakei und er entspricht nicht den Regeln der Bologna-Klassifikation der Studienabschlüsse. (Daneben gibt es noch den "Berufsdoktor", der nach Abschluss eines berufspraktischen Doktorstudiengangs verliehen wird - beispielsweise der US-amerikanische Medical Doctor M.D. -, aber ebenfalls nicht den Bologna-Kriterien entspricht. Für den gilt diese Sonderregel jedoch explizit nicht.) Absolvent*innen dieser Studiengänge dürfen in Berlin und Bayern jedoch unterschiedslos einen Doktortitel ohne erklärenden Zusatz führen - ganz so, als ob sie die gleichen hohen akademischen Ansprüche erfüllt hätten wie alle ‚regulären’ Promovierenden. Diese Sonderregelung widerspricht nicht nur sämtlichen anerkannten wissenschaftlichen Standards zum Führen eines Doktortitels, sie ist in unseren Augen auch willkürlich und untergräbt die Glaubwürdigkeit der Doktortitel in unserer Gesellschaft. Wir fordern mit unserem Antrag daher sowohl einen ausführlichen Bericht des Senats zu dieser Regel sowie deren Aufhebung. Staatssekretär Dr. Nevermann war erfreulich gut vorbereitet zu diesem TOP und verteilte einen achtseitigen Vermerk der Senatsverwaltung dazu, der unsere Fragen beantworten soll und den wir jetzt in Ruhe auswerten, um auf dieser Grundlage das Thema wieder im Ausschuss zu besprechen. Bis dahin wurde unser Antrag erst mal vertagt.

Weiteres Thema war der "Fortschrittsbericht über die Zusammenarbeit zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin sowie die weitere Zusammenlegung von Behörden und Sonderbehörden" (Drs. 17/1560), der alle zwei Jahre erstellt wird und das ganze Spektrum dieser Kooperation und damit auch den Bereich "Gemeinsame Wissenschaftsregion" umfasst. Dieser Bericht ist im Regelfall eine Fortschreibung des jeweils vorherigen und nicht viel mehr als eine Auflistung der verschiedenen Kooperationen und gemeinsamen Projekte, die mal mehr, mal weniger gute Fortschritte machen. Ein strategisches Ziel des Senats bei der Zusammenarbeit mit Brandenburg ist jedoch weiterhin nicht zu erkennen. Dabei wäre dies dringend nötig, denn gerade der Raum Berlin/Potsdam/Umland ist als Wissenschaftsregion längst zusammen gewachsen. Gemeinsame politische Schwerpunktsetzungen, insbesondere bei Forschungs- und Studienschwerpunkten, statt nur ein "die Einrichtungen koordinieren sich irgendwie" wäre sinnvoll, für alle.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Thema bundeslandübergreifende Anerkennung von Studienleistungen. Viele Studierenden nehmen Berlin/Brandenburg und speziell Berlin/Potsdam als eine zusammenhängende Studienregion wahr und richten ihre Studienpläne darauf aus - scheitern aber immer wieder an der Nichtanerkennung ihrer Studienleistungen aus dem jeweils anderen Bundesland. Das müsste im Sinne einer echten gemeinsamen Wissenschaftsregion endlich angegangen werden. Da die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen jedoch eine Kompetenz der Hochschulen sei und diese da relativ offen und liberal seien, sehe die Senatsverwaltung hier keine Veranlassung, tätig zu werden, so Staatssekretär Nevermann. Beinahe absurd wird es bei der Frage, ob Studierende aus dem einen Bundesland problemlos die Mensen in dem anderen nutzen können - dies zu ermöglichen geht offenbar nur über eine Änderung der beiden Studentenwerksgesetze, an der gerade gearbeitet wird.

Der Kollege Martin Delius von den Piraten warf noch eine andere spannende praktische Frage auf: Gibt es Pläne, nach denen die Lehramtsstudierenden in Zukunft auch Praktika im jeweils anderen Bundesland besuchen dürfen? Nach Aussage des Staatssekretärs ist dies grundsätzlich nicht möglich, da die Praktika ja Teil des jeweiligen Studiengangs seien und man für deren Ankennbarkeit gemäß Studienordnung schon Mitglied der jeweiligen Hochschule sein müsste, an der eben diese spezielle Ordnung gilt. Auch der Einwand, dass Studiengänge an verschiedenen Hochschulen auch in der Lehrer*innenbildung durchaus vergleichbar sind, sowie der Hinweis auf Härtefallregeln, die genau diese Anerkennung eben doch ermöglichen (es gibt also offenbar keine unüberwindlichen Hindernisse aus studientechnischen Gründen), änderte nichts an der Position des Staatssekretärs: "In Potsdam studieren und in ein Praktikum in Berlin machen ist Quatsch, das muss Teil des jeweiligen Studiums bleiben."

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