Besuch des Sportausschusses in München - 20.-21. November 2014

Besuch des Sportausschusses in München - 20.-21. November 2014

Besuch des Sportausschusses in München – 20.-21. November 2014

Olympia in München 1972

Beispiel Ruderstrecke

Beim Besuch von Sportstätten und Einrichtungen der olympischen Spielen 1972 sind ein paar Punkte herausgestochen. Eine der ersten Sportstätten war zum Beispiel eine Ruderstrecke, die komplett künstlich, mitten in einem Naturschutzgebiet, gebaut wurde. Die Anlage ist zwar architektonisch sehr schön - denn sie ist von der Philosophie und der Nutzungslogik der späten 60er Jahre geprägt - nun ist sie leider nicht mehr für olympische Spiele tauglich ist. Sie muss saniert werden und die Kosten belaufen sich auf 40 Mio. €. Die Stadt München finanziert die Anlage - also müssen die Bürgerinnen und Bürger nach 40 Jahren die Kosten der Sanierung tragen.

Daher ist es sehr wichtig, bei der Errichtung von Sportstätten an die Zukunft zu denken. Denn sie werden auch nach 40-50 Jahren immer noch da und am besten immer noch verwendbar sein. Deshalb müssen Nutzungs- und Finanzierungskonzept darauf eingerichtet sein, dass die Anforderungen und die Nutzungsbedingungen sich über die Zeit ändern. Angesichts dessen ist es sinnvoller - wenn Berlin sich bewirbt - temporäre Sportstätte in Erwägung zu ziehen, aber wie teuer werden sie werden?

Olympiapark und Olympisches Dorf

Die beiden Einrichtungen sind genauso architektonisch von den späten 60er Jahren geprägt und dementsprechend sehr spannend. Der Olympiapark funktioniert vom Nutzungskonzept her nur so gut, weil er der einzige Ort in der Stadt München ist, wo Großveranstaltungen stattfinden können. Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft finanziert den Olympiapark mit. In Berlin hingegen liegt das Problem in der Konkurrenz innerhalb der Stadt, denn wir haben mehrere große Veranstaltungshallen!

Das ehemalige olympische Dorf ist eine sehr begehrte Wohnanlage. Im damaligen Frauendorf wurden Studentenwohnungen errichtet. Es ist ein sehr beliebtes Konzept: Die Warteliste ist mittlerweile so lang, dass man anderthalb Jahre warten muss, bis man einen Platz bekommt. Es ist auch ein interessantes Beispiel für schneller und preiswerter Bau: vorgefertigte Betonteile sind aneinander gereiht, im Erdgeschoss befinden sich Küche und Bad, im ersten Stock Arbeits- und Schlafplatz.

In Berlin muss man gut darüber nachdenken, ob man billig, schnell und temporär baut, um anschließend alles abzureißen, oder ob man für lange baut. Dies ist eine finanzielle Grundsatzfrage! Das Konzept muss auf jeden Fall besser durchdacht werden und mehr als ein paar Stichworte enthalten. Denn was passiert danach?

Bewerbung 2018 und 2022

München hatte sich sowohl für 2018 als auch für 2022für die Austragung der olympischen und paralympischen Spiele beworben. Die beiden Bewerbungen sind an Bürgerbegehren gescheitert. Ein wesentlicher Punkt bei der Misserfolg war die Arroganz der Betreibenden der Bewerbung. Die Lokalbevölkerung und ihre Initiativen wurden nicht auf Augenhöhe begegnet und es herrschte keine Transparenz darüber, was eine Olympiabewerbung für die Menschen bringen könnte.

Eine wichtige Forderung von uns Grünen ist, dass eine sachlich fundierte Entscheidung über die Bewerbungsfrage nur über eine Diskussion von vorneherein zwischen allen Beteiligten und Betroffenen getroffen werden kann.

Muss sich Berlin überhaupt zwei Mal bewerben? Angesichts der BER-Fragen und anderen Großbaustellen ist es schon zu knapp für eine sachliche Entscheidung bei einer Bewerbung für 2024. 2028 wäre eine andere Diskussion. Welche Planungsprozesse brauchen wir?

Münchener Bäderbetriebe - Gesundheitssport für Alle

Nach der Olympiadiskussion haben wir uns mit Verantwortlichen der Bäderbetriebe getroffen. In München sind die öffentlichen Bäder von 7 bis 23 Uhr geöffnet, mit vereinzelten Nutzungen für Vereine. Die Kostensteigerung (wegen Personal, Energie, usw.) wird an die Kunden in kleinen 10-Cent-Schritten jedes Jahr weitergegeben. Darüber hinaus sind die Bäder Teil der Stadtwerke, das bedeutet, dass sie auch die Energiestadtwerke mitfinanzieren. Die Olympiabäder sind in einem sehr guten Zustand.

Die Münchener Bäderbetriebe sehen ihre Aufgaben darin, das Sportschwimmen für alle zu betreiben. Gesundheitssport für allen ist ihr erstes Ziel, Vereinsport ihr zweites. Spaßbad spielt nur am kleinen Rand eine Rolle. Der schulische Schwimmunterricht findet nicht nur in öffentlichen Bädern statt, weil 36 Bäder à 10, 15 und sogar manchmal 25 Meter den Schulamt gehören.

Für Berlin ist es dringend notwendig, über das Bäderkonzept zu reden! Leider hat der Berliner Senat dem Abgeordnetenhaus immer noch kein Konzept zur Verfügung gestellt - obwohl er dies seit zehn Monaten verspricht. Aus grüner Sicht geht die aktuelle Entwicklung der Berliner Bäderbetriebe in die falsche Richtung: Wir wollen nicht 7 € fürs Spaßbad bezahlen, wir wollen das Sportschwimmen für alle ermöglichen! Kinder- und Jugendschwimmen sollen höchste Priorität haben - und nicht das Spaßbad. Denn was nützt ein Spaßbad in zehn Jahren, wenn mehr als die Hälfte der Kinder nicht mal schwimmen kann?

Reisen bildet - für mehr Austausch zwischen den Landesparlamenten

Delegationsreise von Ausschüssen innerhalb Deutschlands und nach Brüssel sind extrem sinnvoll. Sie erlauben eine andere Perspektive sowohl auf die Berliner Herausforderungen als auch auf unsere politischen Ansätze zu entwickeln.

[Redaktion Anaïs Bordes]

Ruderstrecke – gebaut für Olympia 1972 – Foto Heiko Herberg Ruderstrecke – gebaut für Olympia 1972 – Foto Heiko Herberg Ruderstrecke – gebaut für Olympia 1972 – Foto Heiko Herberg

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