Berge von Papier... (1)

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Berge von Papier… (1)

Zu meiner täglichen Routine als Abgeordnete gehört es, zweimal am Tag ans Postfach zu gehen - und dann gleich mal direkt die Sachen auszusortieren, die ich ohnehin wirklich nicht lesen werde und/oder brauche. Ich weiß noch nicht, was mich mehr ärgert: Tonnenweise Drucksachen, die ich aktuell nicht brauche (inkl. einseitig gedruckter Zettel, auf denen nichts anderes steht als "Der Ausschuss XY hat beschlossen, den Antrag soundso abzulehnen"), oder die ganzen mehr oder weniger hochglänzden Mehrseiter, die so tun, als seien sie dazu da, Informationen zu verbreiten, aber vor allem meine Einstellung zum Absender positiv beeinflussen sollen.

Fangen wir mit letzterem an:

Liebe Lufthansa, liebe Deutsche Lackindustrie, lieber Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), liebe Bertelsmannstiftung, liebe Vodafone, liebe Wellpappeindustrie, liebe alle,

ich habe euch nicht deswegen doller lieb, nur weil ihr mir regelmäßig Post schickt, die sich fast immer mit Sachen beschäftigt, für die entweder ich nicht zuständig bin, oder sogar das ganze Landesparlament keine Zuständigkeit hat. Ich habe mal gehört, dass es gerade dann, wenn man Kommunikation betreibt, um Einstellungen zu beeinflussen (soll heißen: im Marketing, in der Werbung, und darum geht es ja), ganz, ganz wichtig sei, dass Inhalt, Darbietungsform und AdressatIn zusammenpassen. Und in diesem Fall passt es jedenfalls überhaupt nicht. Wie wäre es, wenn ihr euch vorher überlegt, wen ihr wirklich erreichen wollt? Wie wäre es, wenn ihr euch vor Aufsetzen eines Adressverteilers mit den Interessen- und Zuständigkeitsgebieten eurer AdressatInnen beschäftigt? (Nein, ich habe keinen Stab von MitarbeiterInnen, die den ganzen Kram für mich lesen und mir dann sagen, was ich vielleicht wissen sollte, vielleicht aber auch ignorieren kann - das hier ist ein Teilzeitparlament!) Wie wäre es, wenn ihr euch langsam aber sicher andere Formate überlegt? Vielleicht auch papierärmere?

Ich würde mir wünschen, ganz einfach im Netz, über eure großen, gut gepflegten Auftritte dort, die wichtigsten Infos selbst herausfinden zu können, nicht nur zu Produkten und Vorstandsvorsitzenden, sondern auch Positionierungen zu den Themen, die euch wichtig sind. Wenn es um aktuelle Gesetzesvorhaben oder andere Entscheidungen im Berliner Abgeordnetenhaus geht, dann schreibt einfach direkt, ruft an, schickt eine E-Mail. Kontaktpflege ist grundsätzlich super - aber ich weiß gern, mit wem ich rede (und kann dann auch meine Meinung zum Vorgetragenen äußern), und bekomme nur ungern Post, die sich hochtrabend "Politikdialog" nennt, und ziemlich undialogisch und einseitig Darstellung betreibt. So jedenfalls wird das nix mit der guten Meinung...

Bald beginnt die neue Legislaturperiode. Da müsst ihr ohnehin eure Adresslisten nochmal überarbeiten - wäre das nicht eine gute Gelegenheit?

Mit besten Grüßen,
A. Schillhaneck

P.S.: Morgen oder so komme ich dann zu Papierbergen in Form von Drucksachen - und einem konkreteren Vorschlag dafür. Denn während ich den oben genannten ja nix vorschreiben kann, regelt das Abgeordnetenhaus seine eigenen Angelegenheiten inklusive Drucksachenkopiererei per Geschäftsordnung. Und die ist änderbar.

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