Beitrag zur Beratung der Großen Anfrage der CDU ‚Förderung für das geplante Life-Science-Center (LSC, Forscherschloss) im Pankower Ortsteil Buch’

Beitrag zur Beratung der Großen Anfrage der CDU ‚Förderung für das geplante Life-Science-Center (LSC, Forscherschloss) im Pankower Ortsteil Buch’

Auszug aus dem Plenarprotokoll 16/65

Präsident Walter Momper:

Danke schön, Herr Kollege Oberg! - Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nunmehr Frau Schillhaneck das Wort. - Bitte schön, Frau Schillhaneck!

Anja Schillhaneck (Grüne):

Herr Oberg! Wenn die Frage, wie man zum Beispiel die Begeisterung für Naturwissenschaft, für Life-Sciences, für etwas, was zentral für den Wissenschaftsstandort Berlin ist, auch jungen Menschen, jungen Erwachsenen, älteren Kindern, Jugendlichen näher bringen kann, und zwar über die engen Stadtgrenzen Berlins hinaus, wenn das für Sie keine zentrale Frage, kein Zukunftsthema ist, dann frage ich mich, was Sie da eigentlich tun. Aber das nur nebenbei.

[Beifall bei den Grünen und der FDP]

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Man muss aber auch feststellen, grundsätzlich gehen Sie gerade mit der Großen Anfrage und auch in der Behandlung des Themas ganz haarscharf an dem, was eigentlich die Frage sein müsste, vorbei. Herr Oberg hat gerade eben gesagt, so ist das jedenfalls nicht GA-förderfähig. Das ist ja alles richtig. Die zentrale Frage, die man stellen müsste, ist doch nicht, kriegen wir fürs Life-Science-Center darüber, dass der Bezirk, auch wenn er das eigentlich gar nicht wollte, die Trägerschaft hat, weil nur der Bezirk die GA-Mittel dafür beantragen kann, das irgendwie hin, sondern die Frage muss sein: Wollen wir ein Life-Science-Center?

[Dr. Sebastian Kluckert (FDP): Richtig!]

Da haben sich genügend interessante Personen und Persönlichkeiten auch in Ihrem Senat dafür ausgesprochen. Das muss die Frage sein. Und da wäre die Frage an Sie auch im Senat: Wie beschaffen wir dann die nötige Finanzierung? Das kann man nicht auf den Bezirk oder die anderen Akteure am Standort Buch abwälzen, und das sollte man auch nicht abtun mit der Formulierung: Ja, das ist bestimmt dann von privatem Interesse. - Das kann man so nicht machen.

[Beifall bei den Grünen]

Interessant ist auch, dass Sie in der Koalition an einem solchen Punkt dann plötzlich die Haushaltsdisziplin entdecken. Die ist ein wunderbares Argument immer dann, wenn es Ihnen passt. Das muss man hier nicht weiter diskutieren. Ja, ein solches Life-Science-Center kostet Geld, die Frage ist, wer letztendlich das Risiko dafür trägt. Senator Wolf hat ausgeführt, das Risiko würde dann auf das Land Berlin zurückfallen. Aber die Frage ist: Ist es uns das wert? Wenn man sich ansieht, was dort geplant war: Der Standort Buch ist unzweifelhaft einer der relevanten Wissenschaftsstandorte in dieser Stadt.

[Dr. Wolfgang Albers (Linksfraktion): Was hat das mit dem Center zu tun?]

Das werde ich Ihnen gleich darlegen, Herr Albers! - Es geht um die Frage: Wo soll dieses Zentrum hin, in welche Einbettung? Und die Frage: Macht man eine solches Projekt oder nicht? Was hätte man dort haben können: Man hätte ein interessantes sogenanntes Mitmachmuseum haben können, das vor allem die Zielgruppen ältere Kinder, Jugendliche, Schulklassen, junge Erwachsene anspricht und versucht, ein vielleicht vage vorhandenes, leider in unserer Schule viel zu wenig gefördertes Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen, am experimentellen Arbeiten, an den Zukunftsfragen im Bereich Life-Sciences, wie das seit ein paar Jahren so schön neuanglizistisch heißt, zu wecken, den Keim dafür zu setzen, dass mehr junge Menschen sich dafür entscheiden, den entsprechenden technisch-ingenieurwissenschaftlich-naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen, entweder im Wege der Ausbildung oder im Wege des Studiums. Daher wäre das etwas, was sehr relevant ist auch für die Wissenschaftslandschaft in Berlin. Das wäre das Ideale genau in dieser Zusammensetzen dort am Life-Science-Standort Buch. Dort könnten die Leute sehen, aha hier sitzt das MDC, hier wird so etwas gemacht. Sie kämen direkt vor Ort auch sichtbar, auch räumlich in direkter Nähe, in Kontakt damit, wer das macht. Wenn die größte Hürde die Leute davon abhält, vielleicht auch mal jenseits von traditionellen Berufsentscheidungen zu sagen, ja, so etwas mache ich, ich gehe jetzt ein sogenanntes MINT-Fach studieren oder ich mache jetzt eine technische Ausbildung, vielleicht als erste Person in meiner Familie, vielleicht als erste Frau in meiner Familie, das hängt ganz wesentlich davon ab, dass es eine Form von Vertrautheit damit gibt. Genau deshalb war die Idee, das Life-Science-Center in Buch zu machen, ideal.

[Beifall bei den Grünen]

Der einzige Punkt, wo man Ihnen leider sagen muss, da liegt der kapitale Grundfehler, ist, das künstlich, ein bisschen von hinten durch die Brust ins Auge, als touristische Attraktion definiert zu haben.

Präsident Walter Momper:

Frau Kollegin! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Oberg?

Anja Schillhaneck (Grüne):

Nein danke, jetzt bitte nicht!

Präsident Walter Momper:

Dann fahren Sie bitte fort.

Anja Schillhaneck (Grüne):

Danke sehr! - Sie haben das als touristische Attraktion definiert mit Blick nach Bremen. Ich glaube, das war an der Stelle der strategische Kardinalfehler.

Auch auf Pankower Ebene haben sich unsere Kolleginnen und Kollegen aus der BVV-Fraktion immer ein bisschen skeptisch dazu geäußert, dass das die richtige Definition ist. Aber die Idee ist die richtige - das Life-Science-Center als Mitmach-Museum ist die richtige Idee, und deshalb muss man das machen.

Der Vergleich zu Bremen ist auch nicht der richtige, denn ich glaube, man muss ein bisschen näher schauen. In Potsdam gibt es das Exploratorium, viele von Ihnen werden das kennen. Kindergartengruppen besuchen es, Geburtstage werden dort gefeiert, für Schulklassen ist es ein ganz beliebtes Ausflugsziel - hier wird aber ein anderer Bereich von naturwissenschaftlich orientiertem Lernen durch Erleben abgedeckt. Das Exploratorium befindet sich übrigens in einer Finanzstruktur, bei der als Förderer nicht nur die Stadt Potsdam als Kommune auftritt, strukturell vergleichbar - vielleicht - mit Pankow, wobei wir wissen, dass Potsdam und Pankow von der Wirtschaftskraft und der Leistungsfähigkeit der Kommune her nicht vergleichbar sind. Die Staatskanzlei Brandenburg finanziert das Exploratorium mit, das Ministerium für Wirtschaft ebenso. Wenn man sich grundsätzlich dafür ausspricht, ein solches Projekt haben zu wollen, dann hätten wir von Ihnen erwartet, dass Sie ein bisschen mehr Grips investieren und nicht nur einfach sagen: O.k., GA-förderfähig ist das nicht, damit begraben wir das Ganze jetzt.

[Beifall bei den Grünen, der CDU und der FDP - Lars Oberg (SPD): Wo wollen Sie das Geld hernehmen?]

Das ist nicht zufriedenstellend, und, Herr Oberg, wenn Sie die Haushaltsdisziplin wieder einmal genau dann entdecken, wenn es Ihnen in den Kram passt, und nicht dann, wenn wir über eine Einstein-Stiftung reden, dann sind Ihre Prioritäten falsch verteilt. - Danke schön!

[Beifall bei den Grünen, der CDU und der FDP]

Präsident Walter Momper:

Danke schön, Frau Kollegin Schillhaneck!- Für die Linksfraktion hat nun Herr Kollege Albers das Wort.

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